Bürgermeisterin Susanna Kittinger versteht die Ängste der Siedlungsbewohnerinnen und Bewohner. Trotzdem war es notwendig, mit der Umwidmung der öffentlichen Flächen der Gemeinde endlich eine klare Regelung zu schaffen.
In ihrem offenen Brief wendet sich Kittinger an alle Bürgerinnen und Bürger von St. Andrä-Wördern:
"Nach der im Gemeinderat beschlossenen Flächenwidmung in der Badesiedlung Altenberg wende ich mich als Bürgermeisterin an Sie, um die Beweggründe jener Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter erläutern, die diese Entscheidung mitgetragen haben.
Zunächst danke ich den vielen Bürgerinnen und Bürgern, die uns unterstützt und darin bestärkt haben, dieses Thema nicht erneut auf die lange Bank zu schieben, sondern unserer Verantwortung nachzukommen und eine Entscheidung zu treffen.
Seien Sie versichert: Genau das ist meine Herangehensweise an Politik.
Dazu möchte ich die wichtigsten Fakten festhalten:
• Die bereits vor mehr als 20 Jahren vermessenen Grundstücksgrenzen werden nun offiziell im Kataster eingetragen und digital zugänglich gemacht.
• Sämtliche umgewidmeten Flächen befinden sich im Eigentum der Gemeinde. Es wurden keine privaten Grundstücke umgewidmet.
• Öffentliches Gut wird als Verkehrsfläche gewidmet. Dazu zählen neben Straßen auch Geh- und Radwege, Grünflächen sowie Flächen für notwendige Infrastruktur.
• Die Widmung dient der langfristigen Sicherung dieser Flächen und verhindert einen späteren Verkauf.
• Es gibt aktuell keine Pläne für den Bau sechs Meter breiter Straßen. Der Charakter der Siedlung soll erhalten bleiben.
• Bestehende Nutzungen auf Basis von Pachtverträgen können grundsätzlich fortgeführt werden. Bauliche Anlagen wie Mauern, fundierte Zäune oder Carports bleiben weiterhin unzulässig, sofern keine entsprechende Bewilligung vorliegt.
Es gelingt nur selten, Themen zur Zufriedenheit aller zu lösen. Naturgemäß sind jene, die mit einer Entscheidung unzufrieden sind, oft am lautesten – sie stellen jedoch nicht zwangsläufig die Mehrheit dar. Es wurde mir auch vorgeworfen, naiv zu sein, meine politische Karriere aufs Spiel zu setzen und keine Chance auf eine Wiederwahl zu haben. Doch ich frage Sie: Was wäre ich für eine Bürgermeisterin, was wären wir für Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, wenn bei politischen Entscheidungen die persönliche Reputation, die eigene Karriere oder die nächste Wahl an erster Stelle stünden?
Politik bedeutet für mich, Verantwortung zu übernehmen – auch dann, wenn Entscheidungen nicht allen gefallen.
Ich möchte an dieser Stelle unserem gesamten Regierungsteam für die gute Zusammenarbeit danken. Die Diskussionen waren intensiv, teilweise kontrovers, aber stets sachlich und konstruktiv. Gemeinsam haben wir alle vorgebrachten Argumente und Bedenken sorgfältig geprüft. Dazu wurden Expertinnen und Experten aus den Bereichen Raumordnung, Baurecht und Recht beigezogen.
Als Gemeindevertretung tragen wir Verantwortung nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft. Die Badesiedlung hat sich über Jahrzehnte verändert. Wer heute durch das Gebiet geht, erkennt, dass die ursprünglichen Badehütten nur noch vereinzelt vorhanden sind. Das Ortsbild wird inzwischen überwiegend von Einfamilienhäusern geprägt, die sich kaum von anderen Wohngebieten unserer Gemeinde unterscheiden.
Diese Entwicklung ist weder ungewöhnlich noch grundsätzlich negativ. Die Frage ist vielmehr, ob wir den heutigen Zustand dauerhaft festschreiben oder auch künftigen Generationen die Möglichkeit geben wollen, ihren Lebensraum weiterzuentwickeln.
Mir ist bewusst, dass diese Entscheidung nicht von allen begrüßt wird. Dennoch sind wir überzeugt, dass sie die Grundlage für eine geordnete und nachhaltige Entwicklung schafft.
Unser Ziel ist es, den Charakter der Badesiedlung zu bewahren und gleichzeitig ihre Zukunft langfristig abzusichern.
Ihre Bürgermeisterin mit freundlichen Grüßen"
Wir hoffen, dass schön langsam wieder Ruhe einkehrt, dass sich die Regierung der Marktgemeinde wieder mit vollem Einsatz allen anderen anstehenden Fragen widmen kann.