Gilbert Handler brachte bei seinem HÖR.KUNST.FESTIVAL EINGSTECK'T IS! heuer ein wichtiges Stück Ortsgeschichte auf die Bühne im Lichtspieltheater. Der Premierenabend am 15. Mai war rasch ausverkauft. Wir hoffen auf Wiederholungen!
Das musikalisches Live-Hörspiel erzählt die Geschichte des "Schrottkönigs" Johann Haselgruber. Der gebürtige Linzer durchlief eine wechselhafte mit vielen Skandalen gekennzeichnete Karriere. Er nutzte die Aufstiegsmöglichkeiten im Nationalsozialismus, die ihn aber nicht vor einem Fronteinsatz verschonten. Sein Ideenreichtum im Handel mit Waren aller Art - von der Badewanne bis zu Kriegswerkzeug - vorallem unter der sowjetischen Ägide hatte ihn sehr reich an Geld und Beziehungen gemacht. Beides konnte ihn aber nicht vor dem Untergang schützen.
St. Andrä und Wördern verdankten dem "Schrottkönig" das größte private Eisenwerk Österreichs, das er nach dem Krieg gegründet hatte - mit eigenen Bahngleisen und ambitionierten Plänen für einen Donauhafen. Bis zu 1400 Menschen arbeiteten dort, mitten in der russischen Besatzungszone. Das Projekt wurde zu einem der größten Industrievorhaben der frühen Nachkriegszeit und entwickelte sich gleichzeitig zum ersten großen Korruptionsfall der zweiten Republik. Kurz vor der bevorstehenden Inhaftierung nahm sich Haselgruber relativ jung in einer Wiener Pension das Leben.
Gilbert Handler verbindet - ähnlich wie beim Breitwieser Schani Hörspiel, Gesang, Konzert, Originalfotos und Filmeinspielungen. Auf der Leinwand erscheint Burgtheaterschauspieler Stefko Hanushevsky als Geist Haselgrubers als Videozuspielung. Er blickt gemeinsam mit seiner Seele (wieder ausgezeichnet Maja Atzmüller) auf seine Leben zurück. Humorvolle Einschübe bringen Teufel (Gilbert Handler mit blaugrauer Maske) und der Engel Hans (Hans Ecker mit bezeichnenden schwarzen Flügeln) - zuletzt auch in der Frage, wie es Haselgruber eigentlich in den Himmel geschafft hat.
Komponiert und arrangiert hat Gilbert Handler, der an diesem Abend auch eine persönliche Premiere feierte mit seiner 100sten Inszenierung in dieser Größenordnung. Wieder dabei die Dorftanzlmusi, Daniel Pilz, Judith Reiter, Christoph Koberger, Manuel Plöchl, Markus Gruber, die Hagenthaler Tonsplitter und Schauspielerin Eszter Hollósi als Conferencier.
Ein höchst unterhaltsamer Abend, der aber doch auch nachdenklich stimmt.
Bestens unterhalten zeigten sich auch Bürgermeisterin Susanna Kittinger, die geschäftsführenden Gemeinderäte Angelika Staubmann und Walter Petz im Foto ganz oben. Weitere Bilder in der Rubrik Foto.